Verabschiedung und Außerdienststellung der Stadtwache Eppstein


Laudatio für die Stadtwache Eppstein durch Bürgermeister Alexander Simon am 14. Mai 2026

Im schönsten Teile unseres Taunusgebirges, wo der felsbekrönte „Rossert“ und der waldumrauschte „Staufen“ ihre Höhen zu den Wolken erheben, liegt in dem tiefeinschneidenden Knotenpunkte Dreier dort sich vereinigenden Täler das Städtchen Eppstein. Zum Schutze und zum Trutze wird die Stadt und ihre Bürgerschaft vor äußeren und inneren Feinden bewacht. Mit dieser ehrenvollen Aufgabe haben wir unsere Stadtwache Eppstein betraut. Heute aber ist der Tag gekommen, die Stadtwache Eppstein von den übertragenen Aufgaben zu entbinden.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Bürgerinnen und Bürger, verehrte Mitglieder der Stadtwache Eppstein und des Burgvereins Eppstein,

heute kommen wir in einem besonderen Moment zusammen. Es ist ein Anlass, der gleichermaßen von Dankbarkeit, Respekt und auch ein wenig Wehmut geprägt ist. Wir verabschieden heute die Stadtwache Eppstein und stellen sie offiziell außer Dienst. Über viele Jahre hinweg war die Stadtwache ein sichtbarer und verlässlicher Bestandteil unseres öffentlichen Lebens. Ihre Mitglieder haben nicht nur auf Burg Eppstein und der Altstadt gewirkt, sondern waren im gesamten Stadtgebiet gegenwärtig. Die Aufgaben der Stadtwache waren vielfältig. Natürlich und nach historischem Vorbild ging es um die Abwehr äußerer Feinde und innerer Bedrohungen, um Sicherheit für die Bevölkerung: gut, im Vereinsleben wurde dies etwas weit ausgelegt, aber die Stadtwache war natürlich da für uns Eppsteinerinnen und Eppsteiner. Viele erinnern sich noch an die Feste zur Stadterhebung, also anlässlich der Verleihung der Stadtrechte aus dem Jahr 1318. Das 700-jährige Jubiläum im Jahr 2018 ist noch nicht allzu weit entfernt und die Stadtwache war ein wesentlicher Bestandteil. Aber auch die legendären Prangerfeste an Christi Himmelfahrt haben viele Gäste von Nah und Fern nach Eppstein und auf die Burg gebracht. Ihr habt dafür gesorgt, dass Stimmung in die Bude kam. Ich kann mich noch erinnern, als ihr anlässlich der 800-Jahr-Feier von Bremthal dort gemeinsam mit Schultheiß (Bürgermeister) Ralf Wolter auf dem dortigen Dorfplatz aufmarschiert seid und die angeblich „wilden“ Bremthaler zur Ordnung gerufen habt. Zum Abschluss des Eppsteiner Weihnachtsmarktes gab es immer das von der Stadtwache organisierte bengalische Feuer, eine wundervolle Tradition. Mit euren zahlreichen Spenden für soziale Projekte im Stadtgebiet habt ihr stets Großmut gezeigt.

Die Eppsteiner Stadtwache war da, wenn Hilfe gebraucht wurde. Für diesen Einsatz spreche ich Ihnen heute auch im Namen der städtischen Gremien und vieler Bürgerinnen und Bürger unseren aufrichtigen Dank aus. Eine Stadt lebt nicht allein von Gebäuden, Straßen oder Planungen. Unsere Stadt lebt von den Menschen, die Verantwortung übernehmen. Von Menschen, die bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren. Genau dafür stand die Stadtwache Eppstein.

Die Entscheidung zur Außerdienststellung wurde nach sorgfältiger Abwägung von euch als Stadtwache selbst getroffen. Strukturen verändern sich eben und alles hat seine Zeit. Solche Entscheidungen sind niemals leicht insbesondere dann nicht, wenn sie mit Menschen verbunden sind, die über Jahre hinweg engagierte Arbeit geleistet haben. Deshalb soll dieser heutige Tag nicht allein das Ende einer Institution sein, sondern zum einen die Würdigung der geleisteten Arbeit und dienste und ein Fortwirken dieser Grundzüge beim Burgverein Eppstein. Stadtwache, Burgverein und auch die Burgschauspieler sind allesamt dem Wahrzeichen unserer Stadt eng verbunden. Der Burgverein Eppstein, der Vorstand und Vorsitzende Ramon Olivella haben ein Versprechen abgegeben: sie wollen den Mainzer Keller, das Wohnzimmer der Stadtwache, in eine neue Epoche führen und dabei den Geist und den Spirit der Stadtwache nicht vergessen. Wir als Stadt Eppstein haben das unterstützt und ich freue mich, dass wir gemeinschaftlich, natürlich in Absprache und mit Genehmigung der Denkmalschutzbehörden diesen Raum sanieren können. Es wird ein Ort für den Burgverein entstehen, aber eben auch ein Ort des Erlebens für Besucherinnen und Besucher von Burg Eppstein.

Wir danken allen Mitgliedern und Unterstützern, Freunden und Gönnern der Stadtwache Eppstein, gedenken wollen wir derer, die nicht mehr unter uns sind. Unser aller besonderer Dank gilt allen ehemaligen und aktuellen Mitgliedern der Stadtwache ebenso den Familien und Angehörigen. Sie haben Spuren hinterlassen, die bleiben. Auch wenn die Stadtwache künftig nicht mehr im Dienst sein wird, bleibt ihr Wirken Teil der Geschichte unserer Stadt. Liebe Mitglieder der Stadtwache, Sie können mit Stolz auf das Geleistete zurückblicken. Sie haben Verantwortung übernommen und unserer Stadt über viele Jahre hinweg gedient. Dafür sagen wir heute: Danke.